Die Freimaurer: Eine „Gesellschaft mystischer Philosophen“?

2 Apr

Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit.

Die Freimaurerei versteht sich als ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führe. Die fünf Grundideale der Gruppe – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität – sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Krünitz sprach damals von einer „Gesellschaft mystischer Philosophen“, die propagierten, „daß nur die Moral wahre Wissenschaft, und wahre Tugend nur die gesellige sey.“

Freimaurer-Ritual

Initiation eines „Suchenden“, Kupferstich, Frankreich, 1745

Wie in Handwerkerzünften durchliefen Mitglieder des Männerbundes die Grade Lehrling, Geselle und Meister. Versammlungen der „Brüder“ bestanden aus einer gemeinsamen Mahlzeit, einem Vortrag mit anschließender Diskussion und einer Kollekte: Netzwerken und Coaching in der Frühen Neuzeit! Menschen aller sozialer Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen wurden aufgenommen, um am Aufschwung der Gelehrsamkeit und Wissenschaften im Sinne der Aufklärung teilzuhaben. Im Gegensatz zu anderen Geheimgesellschaften warben die – eigentlich gar nicht so geheimen – Logen nicht um Mitglieder; was wirklich zählte, war Eigenmotivation. Über die Aufnahme entschied die „Kugelung“, eine geheime Abstimmung mit weißen und schwarzen Kugeln. 

Prominente aus Politik und Kultur in deutschen Logen

Im Jahr 1723 wurde die Konstitution der ersten Großloge in England veröffentlicht. 27000 Mitglieder in 450 Logen verzeichnete die Gesellschaft im Zeitraum von 1737 bis 1789 in ganz Europa, bis hin in französische und spanische Kolonien. In Deutschland entstanden insgesamt acht anerkannte Freimaurer-Großlogen. Prominente aus Kunst und Literatur wie Mozart, Goethe, von Dalberg, Lessing und die französischen Enzyklopädisten waren den Freimaurern angetan. Zu den prominentesten „Brüdern“ zählten große Staatsmänner wie Gustav III., die Brüder Ludwigs XVI. oder Kaiser Franz I. Friedrich der Große trat schon als Kronprinz von Preußen bei, durchlief wie alle anderen die Ausbildungsstufen – und übernahm 1738 die Großmeisterwürde der Berliner Loge „Zu den drei Weltkugeln“. Friedrich war bereits König von Preußen, als sein Schwager, Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth, 1741 in seiner Residenz die Schlossloge „Zur Sonne“ gründete, die 1744 in „Große Mutterloge“ umbenannt wurde. Im Rahmen der Kaiserkrönung Karls VII. entstand in Frankfurt die städtische Loge „Zur Einigkeit“.

Das Freimaurertum gab sich betont humanistisch und aufklärerisch, war aber für Außenstehende undurchschaubar. Ausgewählte, der Verschwiegenheit verpflichtete Mitglieder bewahrten esoterische Geheimnisse und pflegten das Arkanprinzip: Kultbräuche und Rituale fanden hinter verschlossenen Türen statt. Die meisten Logen unterlagen außerdem der „Strikten Observanz“, einem hierarchischem System, das angeblich vom untergegangenen Templerorden abstammte.

Abenteurerei und Mozarts Zauberflötenverrat

Wolfgang Amadeus Mozart, Barbara Krafft 1819

Wolfgang Amadeus Mozart, von Barbara Krafft 1819

Da den Freimaurern Spekulantentum, Abenteurerei, Geisterbeschwörungen und Alchemie nachgesagt wurden, waren sie der katholischen Kirche ein Dorn im Auge. Sowohl der von Papst Clemens XII. 1738 verordnete Bannfluch als auch die 1751 von Papst Benedikt XIV. erlassene Anti-Freimaurer-Bulle wurden lange ignoriert, sodass schließlich die Inquisition eingriff. Freimaurer-Aktivitäten wurden verboten, Katholiken wurde unter Androhung der Exkommunikation der Kontakt zu den Logen untersagt. Da Friedrich der Große selbst einer Loge vorstand, wurden die Freimaurer in Deutschland jedoch toleriert.

Auch in Österreich herrschte reges Interesse an der Vereinigung. Mozart war überzeugtes Mitglied und schrieb mit der „Zauberflöte“ eine Ode an die Freimaurerei. Nach seinem mysteriösen Tod im Jahr 1791 hielt sich lange Zeit das Gerücht, „Brüder“ hätten Mozart in Wien umgebracht, weil er angeblich Geheimnisse preisgegeben hatte: Eine Akkordfolge in der Oper gab die charakteristischen Hammerschläge der Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit“ wieder. Für wahrscheinlicher halten Forscher heute jedoch, dass der erst 35-Jährige an einer damals in Wien grassierenden Angina starb.

Der Bund ist kein Phänomen der Frühen Neuzeit. Die „Brüder“ sind noch heute in Logen organisiert. Die Freimaurerei trägt viele Namen, darunter freemasonry im englischen Sprachbereich, francmasonería in Spanien und Südamerika oder franc-maçonnerie in Frankreich. Es werden weltweit ca. fünf Millionen Mitglieder gezählt. Die Vereinigten Großlogen von Deutschland zählen hierzulande etwa 470 Freimaurerlogen mit insgesamt 14000 Mitgliedern. Sie richten sich nach eigenen Angaben an „freie Männer von gutem Ruf“, „die nicht bleiben wollen, wie sie sind, sondern ein Interesse an Persönlichkeitsentwicklung haben“. Beim Training schöpfen sie aus einem „reichhaltigen historischen Brauchtum.“

 

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